Käsewissen
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Ein käsiges Schauspiel

Käsevater im Gespräch mit der Käsegilde auf dem Käsemarkt Alkmaar

Zwischen Tradition und Tourismus – zu Besuch auf dem Käsemarkt im niederländischen Alkmaar.

Wie ihr wisst, stamme ich aus einer Familie voller Hollandfans. Seit ich mich zurückerinnern kann, fahren wir jedes Jahr mindestens einmal an die niederländische Küste, um ein paar Tage auszuspannen.

2018 führte uns diese alte Familientradition nach Nordholland – und so stand neben Fahrradtouren und Strandspaziergängen natürlich auch ein Besuch des berühmten Käsemarkts in Alkmaar auf dem Programm.

Die Setzer beladen Bahren und Karren

Tummelplatz für Touristen

Als wir pünktlich zum Start des wöchentlich stattfindenden Käsemarkts auf dem Waagplein ankamen, war der große Platz bereits voller Touristen, die dem Geschehen interessiert folgten. Eine Frau mit Mirkofon beschrieb auf mehreren Sprachen, wie der traditionsreiche Markt abläuft.

Die wichtigste Rolle übernehmen dabei die Männer der Alkmaarer Käseguilde, die bereits 1619 das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. Die Gilde, lernen wir von der Frau am Mikrofon, setzt sich aus vier Körperschaften, den so genannten „Vemen“ zusammen. Jede dieser Körperschaften hat ihre eigene Farbe (rot, grün, blau und gelb) und besteht aus sechs Käseträgern sowie einem Taschenmann.

Zwei erschöpfte Käseträger auf dem Käsemarkt Alkmaar

Um sieben Uhr, wenn alle Touristen noch in den Federn liegen, stapeln die sogenannten Setzer die leider industriell hergestellten Käselaibe auf dem Marktplatz und bereiten alles für den Tag vor. Um 9.30 Uhr treffen die restlichen Mitglieder der Käsegilde ein. Der Käsevater ist der Chef der Gilde und trägt einen orangefarbenen Strohhut. Er prüft, ob das gesamte Team vollständig ist und stimmt die Mitglieder der Gilde auf den Markt ein.

Gelebte Tradition

Das eigentliche Geschäft beginnt um zehn Uhr, wenn die Käsehändler die großen Laibe abklopfen, mit einem Käsebohrer Proben entnehmen und Konsistenz und Geschmack testen. Was sie per Handschlag kaufen, packen die Setzer auf große hölzerne Bahren, die dann von den Käseträgern zum Waagehaus an der Kopfseite des Platzes transportiert werden. Damit kein Käse von den Bahren rollt, gehen die Käseträger in einem speziellen „Trippelschritt“, der bei den Touristen für viel Erheiterung sorgt.

Hier werden die Käse auf dem Käsemarkt Alkmaar gewogen

Im Waagehaus ermittelt der zuständige Taschenmann das Gewicht der Käse. Früher war er auch für die Kasse zuständig und hatte deshalb immer ein kleines Täschchen dabei. Inzwischen wird die Bezahlung im Anschluss an den Markt geregelt – neben der Frau am Mikro und den Absperrgittern für die Touristen eine von vielen kleinen Änderungen, mit dem der traditionelle Käsemarkt auf die gestiegenen Besucherzahlen reagiert hat.

Verständlich, schließlich leben wir im 21. Jahrhundert. Und doch erwische ich mich eingequetscht zwischen einer deutsche Reisegruppe und dem Absperrgitter bei dem Gedanken, wie schön es wäre, zu den Anfängen des Käsemarktes zurückzureisen, als es keine Erläuterungen für die Touristen gab und der Käse noch handgemacht war.

Alkmaarer Käsemarkt

2018 findet der Käsemarkt vom 30. März bis zum 28. September jeden Freitag zwischen 10 und 13 Uhr statt. In der Hauptsaison zwischen Juli und August gibt es außerdem jeden Dienstag Abendkäsemärkte von 19 bis 21 Uhr.

Waagplein 2, 1811 JP Alkmaar, Niederlande 

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