Käsewissen
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Der Geheimnisverkoster

Porträt des Käsekrimi-Autors Carsten Sebastian Henn

Romanautor, Journalist und Weinbergsbesitzer – der Kölner Carsten Sebastian Henn hat viele Hüte auf. Eines aber haben alle Berufe des Autors von „Die letzte Reifung“ gemeinsam: Henns Wunsch, die Geschichten hinter dem Genuss zu entdecken.

Herr Henn, der Hauptcharakter Ihres Käsekrimis „Die letzte Reifung“ Professor Dr. Adalbert Bietigheim ist frankophil, Genussmensch und ein ziemlicher Besserwisser – wie viel haben Sie mit ihm gemein?

Henn: (lacht) Ich genieße in meiner Familie definitiv den Ruf des Klugscheißers. Aber im Vergleich zu Professor Bietigheim bin ich deutlich umgänglicher. Der Hang zum genussvol. Wie sagte Salvador Dalí so schön: „Wer genießen kann, trinkt keinen Wein mehr, sondern kostet Geheimnisse“.

Apropos Genuss: Seinen ersten Fall übernimmt Professor Bietigheim im schönen Burgund. Das war bestimmt eine besonders harte Recherche, oder?

Henn: Der Käse, mit dem der Roman startet, ist gleichzeitig einer meiner Lieblingskäse. Gemeinsam mit einem weißen Burgunder schmeckt der Epoisses de Bourgogne köstlich! Natürlich habe ich während meiner Recherche vor Ort den ein oder anderen Laib verköstigt – alles im Auftrag meiner Leser versteht sich.

Aber jetzt mal im Ernst: Es gibt zwar Dutzende Sachbücher über französischen Käse, aber kaum einen Roman. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Krimi und Käse zu vereinen?

Henn: Als Weinjournalist beschäftige ich mich natürlich auch mit Kulinaristik, also dem Zusammenspiel zwischen Ernährung und Kultur. Es fasziniert mich, wie Menschen den Akt des Essens nutzen, um Unglück auszubalancieren – zum Beispiel beim Leichenschmaus. Einen kulinarischen Krimi zu schreiben war für mich die perfekte Gelegenheit, das Zusammenspiel zwischen Leben, Tod und Essen weiter zu erforschen.

Der Käsekrimi "Die letzte Reifung"

„Die letzte Reifung“ ist der erste von fünf Teilen der Professor-Bietigheim-Reihe.

Sie sind unter anderem Chefredakteur des Weinmagazins VINUM. Da hätte ein Mord auf einem Weingut doch eigentlich besser gepasst. Was fasziniert Sie an dem Thema Käse?

Henn: Über Käse gibt es zurzeit wahnsinnig viele Diskussionen: Sollte ein Käse aus Rohmilch oder aus pasteurisierter Milch hergestellt werden? Sind handwerkliche Käse grundsätzlich besser als industriell hergestellte usw. Diese Konflikte sind für mich als Autor spannend, weil ich sie in der Story aufgreifen und weiterspinnen kann. In „Die letzte Reifung“ übernimmt zum Beispiel der fiktive Großkonzern Frombel kleine, handwerklich arbeitende Käsereien – eine Entwicklung, die leider auch in der Realität immer wieder zu beobachten ist.

Stimmt. Umso wichtiger ist es, die handwerklich arbeitenden Käsereien wieder mehr in den Mittelpunkt zu stellen. Sehen Sie Genussmittel und Ihre handwerkliche Herstellung anders, seit Sie 2010 Ihren ersten eigenen Weinberg erstanden haben?

Henn: Definitiv! Seit ich eigenen Wein produziere, hat sich auch meine Berichterstattung verändert. Ich habe dank des Weinbergs, den ich gemeinsam mit Freunden bewirtschafte, eine ganz neue Perspektive auf die handwerkliche Herstellung von Lebensmitteln erhalten. Die Arbeit im Weinberg, die Abhängigkeit von der Natur hat mich demütig gemacht, ich schätze handwerklich erzeugte Produkte nun viel mehr und habe noch größeren Respekt vor den Herstellern, die nicht den einfachen Weg, nicht die Abkürzung nehmen, sondern den besten. Industriell erzeugte Waren finden nur noch in Ausnahmefällen den Weg zu mir nach Hause.

Ist das der Grund, warum Sie vor einiger Zeit die „Deutsche Wein-Entdeckungs-Gesellschaft“ gegründet haben?

Henn: Als Weinjournalist bin ich viel in der Welt herumgereist und habe unterschiedliche Methoden des Weinanbaus kennengelernt. Irgendwann hat es mich einfach in den Fingern gejuckt, einige Ansätze auch mal in Deutschland auszuprobieren. Seitdem kreiere ich jedes Jahr mit einem deutschen Spitzenwinzer einen Wein, den es so noch nie gegeben hat. Neues zu entdecken macht mir einfach unheimlich Spaß. Das und die Möglichkeit, hinter jedem Genuss eine Geschichte zu entdecken.

Danke für das Interview, Herr Henn!

 

Das Buch

Krimi ohne Grusel aber dafür mit viel Hintergrundwissen über Käse und Wein – so könnte man das Konzept hinter „Die letzte Reifung“ beschreiben, das den Westdeutschen Rundfunk dazu veranlasste Carsten Sebastian Henn als „König des kulinarischen Kriminalromans“ zu küren. Eine kurze Zusammenfassung des Werks lest ihr hier.

 

Fotoquelle Aufmacher: Mirko Polo

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